Statistiken sind allgegenwärtig; Statistiker findet man an den Schweizer Statistiktagen, die nach einer coronabedingten Pause Anfang September in Lugano stattfanden. Zum Glück waren auch Vertreter verwandter Disziplinen zugelassen – so möchte ich im Folgenden schildern, welche Aspekte für Ökonomen besondere Relevanz besitzen.

Zunächst: wir sind ständig mit Daten konfrontiert. Eine der vornehmsten Aufgaben von Statistikern wie auch Ökonomen ist es daher, Daten einzuordnen und deren Interpretation zu erleichtern. Daten ohne Kontext sind wertlos: was fangen wir beispielsweise mit dem Datum an, dass die Inzidenz 200 beträgt? Ohne Kontext nichts. Damit Daten zu handlungsermöglichender Information werden, bedarf es der Einordnung: Zu welchem Zeitpunkt? In welcher Population? Verglichen mit was?

Damit eine solche Einordnung nicht nur beim Erzeuger der Information, sondern auch beim Adressaten gelingt, sind jedoch weitere Schritte vonnöten. Es kommt hier wesentlich auf die Art der Darstellung an: eine im Fließtext versteckte Information wird anders wahrgenommen als eine Tabelle, die mit mehr Struktur aufwartet. Grafische Darstellungen bilden die Königsdisziplin, lässt sich hier doch auf kleinem Raum großer Erkenntnisgewinn verwirklichen. Wichtig ist die Balance: eine gut gemachte Grafik unterstützt den Konsumenten genau an der Stelle bei der Interpretation, die erklärungsbedürftig ist. Edward Tufte, einer der Pioniere der Datenvisualisierung, bezeichnet dies in seinem aktuellen Buch Seeing With Fresh Eyes als “instructions at point of need”. Uns als Informationserzeugern kommt damit eine besondere Verantwortung zu: wir füllen Daten mit Bedeutung aus und steuern damit das Auge des Betrachters.

Zum visionären Charakter der Schweizer Statistiktage trugen auch die hochkarätig besetzten Keynotes bei, von der ich eine hervorheben möchte: Jürgen Schmidhuber nahm das Publikum mit auf eine Reise von den Anfängen der Künstlichen Intelligenz zu heute allgegenwärtigen Technologien wie Spracherkennung und maschineller Übersetzung, die auch aufgrund seiner wissenschaftlichen Beiträge zu tiefen neuronalen Netzen möglich wurden.

Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, die mit grossem Erkenntnisgewinn aufwartete und gleichzeitig verdeutlichte, wie eng Statistik und Ökonom(etr)ie miteinander verwandt sind.